Ausnahmezustand Externistenprüfung

Sandra/ Mai 5, 2021/ Allgemein/ 0Kommentare

Es ist wieder soweit, Externistenprüfungszeit. Ausnahmezustand für die ganze Familie. Einer der Gründe auf Reisen zu gehen ist definitiv die Schulsituation. Wir wohnen aktuell in Österreich, hier ist der häusliche Unterricht gleichwertig dem Schulunterricht. Deshalb sind wir hier. Wir sind jetzt im 4. Homeschoolingjahr. Es nimmt definitiv viel Stress raus und wir sind mittlerweile unter dem Jahr ein eingespieltes Team (mit Höhen und Tiefen, aber das ist das Leben, oder?). Wenn da nur nicht die Prüfungen am Ende des Schuljahres wären. In der Volksschule noch alles lockerflockig machbar, in der Mittelschule wird plötzlich eine kleine Matura daraus. Der gesamte Jahresstoff wird innerhalb von 2 Wochen mündlich und schriftlich geprüft, es müssen Portfolios geschrieben und Bilder angefertigt werden. Die Situation ist für Externisten und Prüfungsschule unbefriedigend. Mit dem Lernstoff sind wir Anfang April fertig, April und Mai gehören also ganz der Prüfungsvorbereitung, bevor Anfang Juni die Prüfungen stattfinden.

Soweit die Theorie. In der Praxis hat jedes Kind so seine ganz eigenen Probleme mit den Prüfungen. K1 (13 Jahre, 7. Schuljahr) hat extreme Prüfungsangst. K3 (8 Jahre, 2. Schuljahr) macht etwas entweder perfekt oder gar nicht. Er kann gar nicht damit umgehen bewertet zu werden. Unser diesjähriger Problemfall ist aber K2 (11 Jahre, 5. Schuljahr). Mit 4 Jahren erhielten wir bei ihm die Diagnose Autismusspektrumstörung, Aspergersyndrom. Eigentlich wäre das eine gute Ausgangslage, denn die Prüfungen müssen so für ihn gestaltet werden, dass er sie bestehen kann. Er muss nicht weniger können als andere Kinder dieser Schulstufe, so ist das nicht gemeint, aber es muss auf seine Besonderheiten Rücksicht genommen werden. Aber bis zur Prüfung kommen wir in diesem Jahr scheinbar gar nicht erst. Seit Anfang April ist eine Prüfungsvorbereitung schlichtweg unmöglich. Alleine das Wissen, dass die Prüfungen bevorstehen, hemmt K2 so sehr, dass er quasi handlungsunfähig geworden ist. Jeder Versuch ihn zu motivieren, scheitert. Er steckt den Kopf in den Sand und flüchtet sich am liebsten in eine virtuelle Welt. Ich bin davon überzeugt, er macht das nicht mit Absicht, er kann einfach nicht anders. Nur fehlen uns wertvolle Wochen und er wird die Prüfung so nicht bestehen können. Gleiches Phänomen hatten wir auch im letzten Jahr, aber da war er noch in der Volksschule, die Prüfung hat er auch ohne Vorbereitung problemlos geschafft.

Und was nun? Wir haben keine Ahnung. Bisher ist es uns immer gelungen eine Lösung im Sinne der Kinder zu finden. Dieses Mal zeichnet sich ab, dass das zum ersten Mal nicht so sein wird. Aber was sollen wir tun? Im schlimmsten Fall wird er die Klasse in der Schule wiederholen müssen. Und das, obwohl er den Stoff bereits beherrscht, er ist ein guter Schüler. Wir wären wieder zurück auf Anfang. Er würde später am Tag in die Schule kommen dürfen, wir müssten ihn früher abholen, es ginge wieder nur darum, ihn zur zeitweisen Anwesenheit in der Schule zu bringen. Lernen würde er dabei nichts, was zu Hause dagegen meist problemlos klappt. Wo soll da der Fortschritt sein? Wir als Eltern fühlen uns machtlos.

Ist es wirklich Sinn der Sache Kinder zwanghaft in eine Schablone pressen zu wollen? Müssen sie wirklich immer funktionieren, wenn wir das wollen? Als Erwachsene sollen wir unsere eigene Meinung haben, werden dafür bewundert, wenn wir unser Leben so gestalten, wie es sich für uns richtig anfühlt. Erwachsenen wird es zugestanden verhaltensoriginell zu sein, Kindern wird es krampfhaft aberzogen und wegtherapiert. Das Schlimme ist, ich erwische mich selbst oft dabei, wie ich denke, dass ein Kind zu funktionieren hat. Das sind Muster aus meiner eigenen Kindheit. Ich bin selbst noch dabei zu entdecken, wie ich wirklich bin und mich dabei nicht falsch zu fühlen. Fakt ist, K2 wird die Prüfung unter den Voraussetzungen vermutlich nicht bestehen. Fakt ist auch, dass er in der Schule nicht gut aufgehoben wäre. Die Lösung werden wir versuchen zu finden. Ob es uns gelingt? Fortsetzung folg.

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