Warum tragen?

Warum tragen wir unsere Kinder?
Warum tragen?

Um zu verstehen, warum unsere Kinder getragen werden wollen, müssen wir einen Blick zurück in die Steinzeit werfen. Aus evolutionärer Sicht ist der Mensch erst seit kurzer Zeit sesshaft. Davor zogen die Menschen als Nomaden umher. In dieser im Verhältnis kurzen Zeitspanne konnten sich Anlagen und Gene noch nicht an das heutige, sesshafte Leben anpassen. Unsere Babys sind also noch „Steinzeitbabys“.

Hinzu kommt, dass Menschenbabys physiologische Frühgeburten sind. Tierkinder sind normalerweise entweder Nesthocker oder Nestflüchter. Nesthocker werden von den Eltern im Nest versteckt und aufgezogen bis sie das Nest verlassen können (z.B. Katzen). Nestflüchter stehen bereits kurz nach der Geburt auf eigenen Beinen und sind in der Lage den Eltern zu folgen (z.B. Pferde). Menschenbabys können nun keine Nesthocker sein, da die Eltern Nomaden waren. Aber um den Eltern selbstständig folgen zu können, kommen sie zwischen 3 und 27 Monaten zu früh auf die Welt. Ursache dafür ist der aufrechte Gang, denn als sich der Mensch aufgerichtet hat, musste das Becken enger werden um die Aufrichtung zu ermöglichen. Damit der Säugling durch das Becken passt, muß er nun nach ca. 9 Monaten geboren werden um danach am Körper der Eltern weiter zu reifen.

Unsere Babys sind also aktive Traglinge. Sie unterscheiden sich von passiven Traglingen, die die erste Lebenszeit in Tragebeuteln oder Hautfalten verbringen dadurch, dass sie weiter entwickelt zur Welt kommen. So sind die Sinnesorgane funktionsfähig und sie können sich weitgehend selbstständig an den Eltern festhalten. Die frühkindlichen Reflexe (z.B. Moro-Reflex) zeigen uns also sehr deutlich, dass unsere Kinder an unseren Körper gehören. Sie haben das Bedürfnis in beständigem Kontakt zur Begleitperson zu stehen. Durch die Anpassung an das Nomadenleben erwarten sie beständig Körperkontakt und Bewegung. Allein im Wald liegen gelassen zu werden hätte den sicheren Tod bedeutet.

Vorteile für die Eltern
Ein Tragetuch oder eine Tragehilfe kann eine gute Starthilfe für neugeborene Eltern sein. Man findet leichter einen Familienrythmus, da man das Kind in die Alltagsroutine einbinden kann. So profitieren die Eltern von einem zufriedenen Kind und bekommen Selbstsicherheit. Das Tuch ist kommunikativ. Vater und Mutter lernen das Kind besser kennen. Die Nähe zum Kind kann Depressionen verhindern und die Milchproduktion steigern. Auch Väter bauen so schneller eine Bindung auf.

Tragen fördert auch eine gesunde Rückenhaltung, da ein richtig gebundenes Tuch die Körperhaltung unterstützt und den Beckenboden entlastet.

Vieles, was mit einem Kinderwagen nicht passierbar ist (Treppen, Drehtüren, Türme, Busse) ist mit einem Tuch oder einer Tragehilfe kein Problem. Ein Tuch ist zudem platzsparender und flexibel. Für Geschwister ist auch noch mindestens eine Hand frei.

Vorteile für die Kinder
Das Tragetuch oder eine Tragehilfe kann auch eine Starthilfe für neugeborene Babys sein. Der Körperkontakt schafft Geborgenheit und ein aus dem Bauch bekanntes Gefühl der Enge.

Tragen stärkt außerdem das Nervensystem und hat positive Auswirkungen auf Seele und Gemüt. Durch Körperwärme und Bewegung haben Blähungen und Stoffwechselstörungen des Babys weniger Chancen.

Tragen stärkt das Urvertrauen und schafft Selbstvertrauen.

Im Tragetuch steht das Kind nicht im Mittelpunkt und wird dadurch nicht überfordert, ist aber trotzdem überall dabei. Wir nehmen unsere Kinder so weniger wichtig, dafür aber mehr ernst. Im Tragetuch hat das Kind die Möglichkeit Kontakt mit Erwachsenen aufzunehmen ohne passiv oder ausgeliefert zu sein. Eine feste Bindung ist außerdem nötig, damit unsere Kinder später in die Welt gehen können.